Fantasie


Was bedeutet Kunst? Man kann den Begriff akademisch definieren, aber das wäre wie das Fangen eines Fisches mit Gift: Es wird funktionieren, ihn dabei aber töten.

Mein Verständnis von Kunst richtet sich an den Künstler selbst und lautet: Kunst ist Fantasie. Oder gebräuchlicher: deine Vision. Das ist die Fähigkeit, sich Dinge präzise vorzustellen, die es nicht gibt. Die Fähigkeit, Dinge so neu zu verknüpfen, dass sie großartig werden. Und die Fähigkeit, querzudenken, so, wie man selbst ist und nicht so, wie uns die Gesellschaft gemacht hat. Kinder beherrschen diese Gaben in hohem Maße und ihre Integration in besagte Gesellschaft zerstört sie wieder. Künstler ist, wer diese Gabe wieder erlernt und sie darüber hinaus bewusst zu lenken weiß.

 
 

Fotografische Entwicklung


Fotografie: Ein Input (Die Realität, wie wir sie mit unseren Augen wahrnehmen) durchläuft unsere Fantasie und endet in einem Output (das Foto). Viele Fotografen versuchen die Qualität des Outputs durch die Variable „Input“ zu verändern, sie nennen diesen Schritt die Motivwahl. Ferner versuchen sie, das Mysterium "Fantasie" in ein Regelwerk zu stecken, wie wir es gelernt haben, als wir nicht mehr Kind waren - diesen Prozess nennet man Bildgestaltung. Anstatt die eigene Fantasie mit Drittelregeln noch tiefer zu begraben, plädiere ich für die lange Reise, sie wieder für sich zu entdecken. Auf dieser Reise wirst du dich in dir selbst verlieren und genau dann fängt Fotografie an. Dies bedeutet nicht, dass die Grundlagen von Formensprache und Farbenlehre unsinnig sind, denn ohne sie wären wir wieder Kind, könnten unsere Fantasie nicht steuern. Ihnen muss die richtige Position in unserer kreativen Entwicklung eingeräumt werden, sie können uns dann komplementieren, wenn wir unsere Fantasie mit sicherem Gefühl glauben wieder greifen zu können und sie können uns dann zerstören, wenn wir mit ihnen unsere Reise auf der Suche nach unserer Fantasie beginnen möchten.

 

 
 

Kunst um des Kunst Willens


Man nennt es Kunst, wenn man irgendwas komisches macht, solange es nur komisch ist, sodass der Betrachter sich denken muss, da hat er sich ja was bei denken müssen - was will er mir damit nur sagen? Verantwortung wie Anstrengung lassen sich so wunderbar leicht auf den Empfänger abwälzen. Ich nenne das Kunst um des Kunst Willens und sage: Kein Mensch braucht Fotos, die Fragen stellen, auf die nie jemand eine Antwort wusste! Wären Fotos Sätze, stünde ihnen das Ausrufezeichen! so! viel! besser! Kein Konsument will in den elitären Hallen der Galerie noch mehr Fragen lösen, als er es im echten Leben schon muss. Auch dann nicht, wenn das ewigstumme Fragezeichen für einen Preis unter den Hammer kommt, der das innere Fragezeichen des Normalverdieners vor Verwunderung anschwellen lässt. Es gibt Millionen Möglichkeiten, einen Standpunkt vielleicht, möglicherweise, meiner Meinung nach und eventuell zu verwässern. Ich plädiere aber dafür, Stellung zu beziehen und diese selbstbewusst zu kommunizieren.